Markettiming - Wie richtig ist der "richtige Zeitpunkt"?
Vom Sinn und Unsinn des Market-Timing: Eine Fidelity-Studie


In einem schwierigen Börsenumfeld ist die Versuchung immer groß, Phasen der Volatilität oder der Kursabschwächung zu vermeiden, indem man die entsprechenden Aktien schnellstmöglich abstößt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich die Situation stabilisiert hat, zurückzukaufen. Aber: Lohnt sich diese Strategie des Market-Timing? Eine Fidelity-Studie zu dieser Strategie kommt zum Schluss:

Wer die besten Tage verpasst, erleidet drastische Renditeeinbußen!

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Gewinne am Aktienmarkt an wenigen, außergewöhnlich starken Börsentagen häufen. Davon abgesehen sind die stärksten Anstiege des Marktes oft unmittelbar nach drastischen Abstürzen zu beobachten, also genau dann, wenn viele Anleger aus dem Markt ausgestiegen sind. Nur allzu schnell werden so die besten Gewinnchancen vertan. Im nachfolgenden Beispiel hat das Verpassen der besten 40 Tage in 13 Jahren (also nur drei Tage pro Jahr) die Renditen auf drastische Weise geschmälert.


 Markt

Index

Voll investiert

Beste 10 verpasst

Beste 20 verpasst

Beste 30 verpasst

Beste 40 verpasst

 GB

All Share

14,4%

11,3%

9,1%

7,3%

5,6%

 USA

S&P 500

16,7%

13,1%

10,4%

8,1%

6,0%

 Deutschland

DAX 30

15,4%

10,3%

6,9%

4,1%

1,6%

 Frankreich

CAC40

17,9%

13,5%

10,3%

7,6%

5,2%

 Hongkong

Hang Seng

19,7%

11,5%

6,6%

2,5%

-1,0%

Alle Zahlen sind durchschnittliche Jahresgesamterträge vom 31.12.1987 bis 31.12.2000, Angaben in Lokalwährung. Quelle: Fidelity Investments.

Wer also an wenigen wichtigen Tagen nicht am Markt investiert war, musste eine erhebliche Verringerung seiner Gewinne hinnehmen - unserer Ansicht nach ist das Risiko, solche Tage zu verpassen, für langfristig orientierte Anleger einfach zu groß.

Natürlich wollen wir damit nicht bestreiten, dass ein Anleger spektakuläre Gewinne erzielen kann, wenn er den besten Kauf- und Verkaufszeitpunkt richtig abschätzt. Die folgende Tabelle zeigt die Renditen bei einem Marktausstieg während der schlechtesten Börsentage über den gleichen Zeitraum.


 Markt

Index

Voll investiert

Schlechteste 10 verpasst

Schlechteste 20 verpasst

Schlechteste 30 verpasst

Schlechteste 40 verpasst

 GB

All Share

14,4%

17,0%

19,5%

21,8%

23,9%

 USA

S&P 500

16,7%

21,2%

24,1%

26,7%

29,2%

 D

DAX 30

15,4%

21,5%

25,9%

29,6%

33,1%

 F

CAC40

17,9%

22,4%

26,2%

29,7%

32,9%

 HK

Hang Seng

19,7%

29,8%

37,0%

42,8%

48,0%

Alle Zahlen sind durchschnittliche Jahresgesamterträge vom 31.12.1987 bis 31.12.2000, Angaben in Lokalwährung. Quelle: Fidelity Investments.

Derart hohe Gewinne verleiten den Anleger natürlich gern dazu, Market-Timing zu betreiben. Doch es gilt zu beachten:

Erstens: Es ist nahezu unmöglich, den Markt Tag für Tag präzise einzuschätzen. Der richtige Zeitpunkt für Kauf und Verkauf kann selbst von Experten nicht regelmäßig mit Genauigkeit bestimmt werden. Das haben die Menschen versucht, seitdem Aktien gehandelt werden - mit geringem oder gar keinem Erfolg.

Zweitens: Der Markt erlebt die schlechtesten Börsentage oft sehr kurz vor oder nach den besten Tagen. Gleichzeitig neigen zahlreiche Investoren dazu, nach einem Aufschwung zu verkaufen. Wer den richtigen Kauf- und Verkaufszeitpunkt abpassen will, erhöht sein Risiko aufgrund der Tatsache, dass die besten und schlechtesten Börsentage oft eng aufeinander folgen. Und das mit ernsthaften Konsequenzen, wie man der ersten Grafik oben entnehmen kann. Wir glauben, dass die Anleger die Risiken des Market-Timing vermeiden können, indem sie langfristig voll investiert bleiben.
Der Einstieg am Markttief: Lohnt er die Mühe?

Man kann das Market-Timing aber auch noch unter einem anderen Aspekt betrachten. Wir haben untersucht, inwiefern die Renditen davon beeinflusst wurden, zu welchem Zeitpunkt ein Investment getätigt wurde.

Unsere Untersuchung deckt fünf der wichtigsten Aktienmärkte über einen Zeitraum von 30 Jahren ab: von 1971 bis 2000. Wir haben die Renditen von drei Anlagen in identischer Höhe errechnet, die jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt getätigt wurden: nämlich zum höchsten Kurs, zum niedrigsten Kurs und zu einem willkürlich gewählten Datum, hier zum 1. Januar. Die Ergebnisse in der folgenden Tabelle zeigen: Es besteht zwar durchaus ein Unterschied zwischen den Gewinnen, doch dieser Unterschied fällt geringer aus als vielleicht erwartet. Und dabei darf man nicht vergessen, dass es sich hier um ein rein theoretisches Beispiel handelt, in dem wir Jahr für Jahr von der exakten Bestimmung des höchsten bzw. niedrigsten Kurses ausgegangen sind. In der Praxis ist dies noch keinem Anleger gelungen!


 Markt

Höchststand

1. Januar

Tiefstand

 Großbritannien

15,2%

16,5%

17,2%

 USA

13,9%

14,6%

14,9%

 Deutschland

11,9%

12,6%

12,8%

 Frankreich

15,7%

16,7%

17,3%

 Hongkong

16,6%

18,7%

19,4%

Jahresgesamterträge in Landeswährung über den Zeitraum 31.12.1970 bis 31.12.2000, auf Basis von MSCI-Länderindizes, bei Wiederanlage der Erträge. Quelle: Fidelity Investments.